cola, wasser & gels
Rennbericht Ironman Klagenfurt 2017
Die unmittelbare Wettkampfvorbereitung für den Ironman Klagenfurt begann sehr rustikal, zünftig aber doch feierlich. Meine Martina und ich waren am Tag vor dem Rennen bei einem lieben Freund zur Taufe seines Sohnes am Wörthersee eingeladen. Motto: Tracht und am Abend trotzdem High Heels. Ich tauch halt mit Lederhose und den Saucony Trainingsschuhen beim Fest auf…Eine sehr willkommene Abwechslung, denn die Spannung ab dem Rad Check in ist immer fast unerträglich.
Diesmal aber wenigstens 3,5 Stunden Schlaf, dann ab zum Gelände, vorbereiten, einstimmen und einschwimmen. Das Wetter ist ideal, leicht bewölkt, 14 Grad, der See dafür "bacherlwarm".
Die große Frage, wie wird der Marathon nach der mehr als 9 wöchigen Laufpause und nur 3 Wochen rudimentären Lauftraining, hält die Arschbacke oder macht sie irgendwann zu??? Na schauen wir mal, Kopf einziehen und durch.
Ich stehe angespannt am Strand in der ersten Reihe der schnellen 400er Welle, als plötzlich Helfer neben mir einen "lebenden" Körper ohne Beine aber mit Neopren, Badehaube und Brille in den Sand setzen. Es ist Alessandro Zanardi, der ehemalige Formel 1 Rennfahrer, nach einem unglaublichen 300km/h Crash beidbeinig amputiert und jetzt am Start seines dritten Ironmans mit dem Ziel Hawaii Quali – Scheiß auf meine Arschbacke.
Rawumms los geht's, prügeln, Waschmaschine pur, Adrenalin in den Nasenflügeln und in den Ohrwascheln, die letzten 600 Meter im Lendkanal Emotion vom Feinsten, die Schwimmzeit für die 3,8 km mit 01:07:10 naja.
Die 180 km am Rad in 05:24:10 not so bad, die Splitzeiten passen, aber irgendwie hab ich das Gefühl irgendjemand hält mich mit einem Gummiband zurück. Die Stimmung in Faak beim Anstieg echt toll wir fahren im Spalier, die Leute brüllen, feuern uns an - da darf mein einfach nicht speiben - auch wenn es dir gerade bei 390 Watt die Schädeldecke hebt muahahahaha.
Und dann der Wechsel zum Marathon - wie immer wenn du vom Rad steigst, die ersten Schritte ein Wanken, das Hirn befiehlt Laufen, die Oberschenkel wollen aber noch treten und machen dann doch was sie wollen. Also daher schnell aufs Dixi, das System Körper leichter machen, runterfahren, und Restart für die 42,2km. Jetzt die mental schwierigste Phase bei einem Ironman, du weißt nicht wie du aus dem Zelt kommst und wie 42,2km Laufen jetzt möglich sein sollen. Dann kommt das Schild 1km, nur noch 41,2km…..
Ich laufe los, denke na so schlecht geht das jetzt auch nicht und komme motorisch ständig besser rein. Immer wenn mir Alessandro Zanardi unter dem Gebrüll der Zuschauer mit seinem Rollstuhl entgegenkommt - Scheiß auf meine Arschbacke.
Bis Kilometer 21 laufe ich noch knapp um die 05:20min/km Pace, na Hallo ganz okay. Bei der Labe gehe ich immer ein paar Schritte, dehne kurz, kühle mich, nehme Cola, Wasser und Gels und muss aber dann doch ca. bei Kilometer 26 einmal ordentlich speiben. Ich hänge beim Gebüsch und strapaziere gerade meine Bauchmuskeln, plötzlich ein Vater zu seinem Sohn "Schau mal ich glaube der speibt!!!", der Sohn "warum Papi?" - Lustiger!!!! Warum glaubst!! die Mutter "Energiekick gefällig???". Ein Burgtheater reifer Dialog, ich renn sicherheitshalber weiter und siehe da es geht besser.
Ca. 10 Kilometer vor dem Ziel brüllen mir Melly und Tom zu:"Papa unglaublich was du ablieferst, du bist 6er in deiner Altersklasse, bleib dran, gib nicht auf, lass dich nicht hängen". Plötzlich läuft auch Martina mit, droht mir mit einer unglaublichen Begeisterung, dass sie mir ein Jahr kein Essen mehr kocht, wenn ich jetzt nachlasse. Na dann, da ich ja ständig auf Nahrungssuche bin kann, ich das nicht riskieren, muahaha. Motivationsschub pur, damit durfte ich wirklich nicht rechnen, dass es so gut geht. Klar die Pace ist jetzt schon länger nur noch um die 06:00min/km und die Marathonzeit von 04:07:05 war auch schon mal besser, aber ich beiße mich durch und zwinge mich, die letzten 6 Kilometer ja nicht mehr stehen zu bleiben.
Im Ziel gehe ich dann wie immer kurz ein, erhole mich aber dann relativ rasch und erfahre, dass ein österreichischer Athlet aus meiner Altersklasse auf Grund eines medizinischen Notfalls auf der Radstrecke verstorben ist - Scheiß auf meine Arschbacke.
Die Moral von der Geschicht – ohne Lauftraining geht es nicht. Ich bin aber trotzdem sehr zufrieden und ein klein wenig stolz, denn mit 10:49:42 letztendlich 8er Platz in meiner AK M55/59 bei 151 Gestarteten und insgesamt 734er von ca. 3000 Athleten/innen ist herzeigbar. Vor drei Wochen wusste ich noch nicht einmal, ob ich überhaupt starten kann. Wenn ich wieder die Stiegen schmerzfrei runtersteige, beginne ich mit dem Training, denn ich freue mich schon sehr auf die Langdistanz Staatsmeisterschaften in Podersdorf am 02.09.2017.
Ach ja und noch etwas, als waschechter Niederösterreicher wurde ich in meiner Altersklasse Kärntner Vizelandesmeister auf der Langdistanz, muahahaha jetzt werde ich auch noch Sprachkurse für die Mankale/Mankalan oder so anbieten.
Ihr hört von mir
Euer Paul