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Bericht Ironman Klagenfurt 2012

Aloha liebe Freunde/innen

Der härteste Ironman Klagenfurt aller Zeiten ist Geschichte und ich habe ihn gefinisht. Warum ich aber trotzdem enttäuscht und ich mich wegen meiner Unfähigkeit in den Arsch beißen könnte, schreib ich mir jetzt von der Leber.

Die Vorzeichen standen auf brutal, erstmals Neoprenverbot im Wörthersee verursachte bei vielen blankes Entsetzen, die Wetterprognose von mindestens 37 Grad bei Windstille waren eindeutige Indikatoren für eine noch nie dagewesene Hitzeschlacht.

Mir wurscht war mein überhebliches Motto, weil ich immer noch glaubte, dass mir solche Verhältnisse liegen würden. Mit ungeheurer Brutalität sollte ich jedoch eines Besseren belehrt werden. Gott sei Dank wusste ich das am Vorabend noch nicht und so war ich ganz „normal“ nervös, wie es halt ist, wenn du weißt dass du dich bald auf einen unglaublichen Trip von 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,1 km Laufen begeben wirst.

Die Spannung kurz vor 7.00 Uhr im Wörthersee Strandbad zum Greifen, tausende Athleten, angehörige und Zuschauer, die Luft knistert und vibriert, ein echt unbeschreiblich geiles Gefühl diese Mischung aus Respekt, Ehrfurcht, Angst und Freude.

Der Schwimmstart wieder unvorstellbar, das Wasser kocht, tausende Arme und Beine um dich, jedes Mal Luft holen der Blick auf hunderte weiße Schwimmhauben neben dir, ich komme richtig gut in den Rhythmus, Armzug, Wasserlage alles passt, kurze Scharmützel und Drängereien bei der ersten Wendeboje nach ca. 1400 Meter ansonsten keine Probleme, bis ich mich auf den Weg in den Lendkanal kurz verschwimme und beim Segelhafen vorbeischaue. Die 900 Schwimmmeter im Lendkanal wieder der erste emotionale Höhepunkt, 15 Meter Breite, hunderte Zuschauer an der Böschung, schreien und peitschen dich nach vorne, beim Schwimmausstieg bis zur Wechselzone die Masse tobt, klatscht, du läufst im Spalier klatscht Hände ab – unglaublich. Schwimmzeit 1:18:09 super alles im Plan.

Die erste Radrunde ist für mich sensationell, ich habe das Gefühl ich fliege, nach 95 Kilometer beim U-Turn Minimundus denk ich mir „na bumm“ wenn das so weiter geht bin ich dabei. So ist es auch bis Faak am See, super Tempo, Puls kein Problem und wie immer bei den Anstiegen spüre ich, dass ich kein Federchen bin, bei den Kilometerlangen Abfahrten ist die Schwerkraft mein Freund und die, die mir vorher ihren Hintern gezeigt haben, können jetzt meinen Namen von der Radhose lesen. Nur noch 60 Kilometer und plötzlich wie aus heiteren Himmel krampfartige Schmerzen im Lendenwirbelbereich. Es ist mir unmöglich länger als ein bis zwei Minuten in der Aeroposition am Rad zu sitzen, ich muss gerade bei den Abfahrt und im Flachen immer wieder „aufmachen“ und mich am Rad durchstrecken, Ich bin auch noch nie aufrecht freihändig gefahren, jetzt muss ich es. Teilweise zwinge ich mich in den Wiegetritt, ich werde ständig überholt, fast unerträgliche Schmerzen und „nur noch“ 50 Kilometer inklusive Rupertiberg. Ich leide, will drauf pfeifen und absteigen, dann wieder raus aus dem Sattel bis die Oberschenkel brennen, zurück bis der Rücken schmerzt, Sadomaso unter speziellen Bedingungen…Franz und Christian pushen mich am Rupertiberg nach vorne, Martina, Joanna und ihre Kids stehen an der Radstrecke und schütten Wasser auf mich, wenigstens ein zweites Highlight auf dieser Runde…

Als ich in die Wechselzone zum Laufen komme habe ich auf der zweiten Radrunde 20 Minuten mehr liegen gelassen, 05:22:46 sind unter diesen Umständen aber doch okay. Ich hocke mich hin und überlege ob ich überhaupt weitermachen soll, es scheint alles so irreal, draußen 35 Grad im Schatten, 43 Grad in der Sonne, in dir schreit die Muskulatur „du Arsch hör auf quäl uns nicht so, wir können nicht mehr“, abgesehen von der mentalen Watschen. Warum ich dann doch aufgestanden bin, sollte ich gleich darauf erfahren. Ich schleppe mich also zum Laufstart beginne zu traben und dann doch zu laufen, plötzlich ist meine Tochter Melanie neben mir, läuft mit mir mit, schreit „Aloha Papa du schaffst es, du bist achter oder zehnter, die überholst du noch“. Sie läuft mit ihrem Freund Mario ein paar hundert Meter mit, immer wieder schreit sie „Aloha Papa du schaffst es“, als sie selbst nicht mehr kann bleibt sie stehen, „alles Gute“. Da ist so viel Stolz, Liebe und Emotion in ihr, mir treibt es fast die Tränen in die Augen, da ich erahne, dass es sich nicht ausgehen wird und ich sie vielleicht enttäuschen werde. Aber da kann man doch nicht aufhören, das geht nicht ich bin es ihr, meiner Familie, all meinen Freunden schuldig. Ich habe so viel Unterstützung, Bewunderung, Zuspruch und Toleranz erfahren, nein und wenn es 50 Grad heiß wird, ein „did not finish“ (DNF) wird es nicht geben, außer mich trifft der Blitz….

Und dann sollte ich erfahren warum es Ironman und nicht Teletubby heißt. Der Körper beginnt zu glühen, die Muskulatur wird schwer, obwohl der Laufrythmus eigentlich nach ca. acht Kilometer passt, Tempo machen ist für mich unmöglich. Das Hirn plärrt nein, die Muskulatur in den Beinen schreit nach Kühlung. Heuer retten uns Athleten die Krumpendorfer das Leben. Sie haben Gartenschläuche entlang der Laufstrecke, du kannst bestellen einmal Abspritzen nur den Kopf, nur die Beine, nur von vorne oder einmal von oben nach unten und retour, bist du deppat ist das fein. Alle Kilometer eine eiskalte Dusche, das Laufen geht wieder. Bei den Labestationen Eis in die Kappe und Salzwasser trinken. Iso vertrag ich nicht mehr, ich hätte mich am Rad schon angekotzt, Cola geht bis Kilometer 28, dann nichts mehr. Ich nehme mir nur mehr vor wenigstens nicht stehen zu bleiben, ab Kilometer 27 gehe ich eigentlich ein und „laufe“ nur noch Kilometerschnitt ca. 6:25/min. Auf der Laufstrecke „sterben“ Hunderte wie die Fliegen, gehen, liegen am Rand, kotzen, hören auf, ein brutales Gemetzel. Jörg begleitet mich immer ein paar hundert Meter, redet mir zu, besorgt Schwämme und Wasser, Hans Georg und Christian sagen mir die schmutzigen Dinge die ich hören wollte, Andrea wie jedes Jahr mit ihren Kids geben mir Wasser in 5 Liter Kübel, sie läuft mit, klopft mir auf die Schulter, beim Lindwurm auch wie jedes Jahr Michael der mich anfeuert, und dann Martina, die das ganze Jahr über von meinen Blödheiten das Meiste abbekommen hat, alle sind sie da und geben mir Kraft – Wow das ist soooo schön.

Als ich endlich ins Ziel komme bin ich am Ende, keine Kraft für die Arme sie bleiben unten, keine Freude aber dafür innerliche Leere. Marathon 04:10:38, gefinisht in 11:01:36, Gesamt 436er von knapp 2700 Teilnehmern, Altersklasse 11er von 214. Ich muss mich hinhocken, meine Familie ist bei mir, da beginn ich wieder zu lachen.

Für Klagenfurt 2013 bin ich angemeldet, „Aloha scheiss di net an nine thirty 2013“ ist das Motto, das ist klar, wie es jetzt weitergeht weiß ich heute noch nicht, ich muss das ganze mental verarbeiten, regenerieren und mich auskurieren. Mir tut alles weh, dazu kommt doch die Enttäuschung. Ich muss selbstkritisch meine Fehler hinterfragen und mit Martina alles planen, zu viel sollte sie auch nicht mehr ertragen müssen, meine Verbissenheit war schon grenzwertig, für die die mich kennen…

Herzlichen Dank für eure tolle Unterstützung
Aloah ihr hört wieder von mir
Paul

 

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